Neue Anatomie-Forschung


Illustration von Patsy
Website FromLifeDrawings.com


""Wenn es zulässig ist, den durch mich entdeckten Dingen Namen zu geben, dann sollte es die Liebe oder Süße der Venus sein", drängte einer der großen und unbescheidenen Anatomieforscher der Renaissance {Renaissance in Europa, 14., 15. und 16. Jahrhundert.} Genau wie Adam erhob er den Anspruch, die Dinge zu bennen, die er als erster gesehen hatte: das was "hervorragenderweise der Sitz der weiblichen Lust" war. Dieser Columbus, nicht Christopher sondern Renaldus, gab 1559 mit großer Fanfare bekannt, dass er die Klitoris wiederentdeckt hätte. ("O my America, my new found land!")

1905 wurde die Klitoris, oder zumindest der klitorale Orgasmus von Sigmund Freud wiederentdeckt, indem dessen Gegenstück erfand. Nach vierhundert, vielleicht sogar zweitausend Jahren, war plötzlich ein zweiter Ort gefordert, von dem bei Frauen sexuelle Freude ausging. 1905 verkündete erstmal ein Arzt, dass er zwei Arten von Orgasmen gibt und dass der vaginale der von Frauen normalerweise erwartete sei.

Beide Entdeckungen waren und sind kontrovers. Columbus' Kollegen bestritten seinen Präzidenzanspruch, mit der Argumentation, dass das Organ, um dass er solch ein Aufhebens machte, entweder von jemand anderem entdeckt worden oder bereits seit der Antike Allgemeinwissen gewesen sei. Freud's Entdeckung brachte eine immense Polemik und medizinische Literatur hervor. Für die Klitoris wurde, so vermute ich, mehr Tinte verbraucht, als für jedes andere Organ, oder zumindest jedes Organ dieser Größe.

Ich sollte nicht direkt in diese Kontroverse einsteigen. Stattdessen möchte ich die Geschichte der Klitoris in westlicher, vorwiegend medizinischer Literatur skizzieren um zweierlei herauszustellen. Erstens, vor 1905 hatte niemand gedacht, dass es einen anderen weiblichen Orgasmus gibt, als den klitoralen. Er ist in hunderten von medizinischen (Lehr-) Büchern, wie auch in aufkeimender pornografischer Literatur, gut und sehr genau beschrieben. Deshalb entspricht es einfach nicht der Wahrheit, dass, wie Robert Scholes arguemntierte, es "eine semiotische Kodierung [gab] (Semiotik - die Analyse der Zeichen), um Text und Sprache von Dingen zu bereinigen, die Männern nicht passt (die Klitoris als weibliches primäres Geschlechtsorgan)". Die Klitoris, genau wie der Penis, war für zwei Jahrtausende beides "kostbares Juwel " und Sexualorgan, eine Verbindung, die nicht über die Jahre "verloren oder verlegt" wurde, wie Scholes meinte, sondern wenn, dann nur seit Freud. Anders gesagt, Masters und Johnsons Enthüllung, dass der weiblich Orgasmus fast ausschließlich klitoral ist, war für jede Ehefrau des siebzehnten Jahrhunderts ein Gemeinplatz gewesen und wurde bemerkenswert detailiert von Forschern des neunzehnten Jahrhunderts antizipiert. Aus irgendeinem Grund, überfiel die wissenschaftlichen Kreise um 1900 diesbezüglich eine große Amnesie, so dass in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts uralte Wahrheiten als erderschütternde Neuigkeiten begrüßt werden konnten.

Mein zweiter Punkt ist, dass es es völlig unnatürlich ist, wie die Klitoris ausgelegt wird. Sie ist nicht selbtverständlich der weibliche Penis, genauso wenig ist sie selbstverständlich das Gegenstück zur Vagina. Ebenso wenig haben Männer schon immer den klitoralen Orgasmus aufgrund einer männlichen Urangst vor oder Faszination mit weiblicher Lust als nicht vorhanden, bedrohlich oder entsetzlich angesehen. Die geschichte der Klitoris ist Teil der Geschichte der sexuellen Unterschiede allgemein und der Sozialisierung der köperlichen Lust. Wie die Geschichte der Masturbation ist es genauso eine Geschichte über die Gesellschaft, wie auch über Sex."


Das obige Zitat entstammt dem Artikel: "Amor Veneris, vel Dulcedo Appeletur"
Autor: Thomas W. Laquer
veröffentlicht in Fragments for a History of the Human Body: Part Three
Copyright: 1989 Urzone Inc.


Die Klitoris neu erfinden


Es sind nicht nur die Männer, die dachten, sie wären die ersten, die die Klitoris entdeckt hätten. Ich habe Bücher von Frauen gelesen, wie sie ihre Klitoris entdecken und denken, sie wären die einzige, die eine hätten. Manchmal tauchte diese Entdeckung auf, wenn sie jung waren, manchmal erst als Großeltern. Wie ist es möglich, dass jemand verleitet ist zu glauben, der Entdecker oder die Entdeckerin einer äußerlichen anatomischen Struktur zu sein, die bereits so lange existiert, wie es die menschliche Spezies gibt. Vorallem in Anbetracht der Berührungsempfindlichkeit der Klitors!


Wenn du niemals von der Existenz der Klitors gehört hättest und du plötzlich über eine "gestolpert" wärst, während du deinen eigenen Körper oder den deiner Parnterin erforschst, würdest du warscheinlich auch denken, du wärst die erste, die sie entdeckt hat. Man kann verleitet sein, anzunehmen, der erste zu sein, der irgendetwas entdeckt, wenn man überzeugt ist, dass es noch niemand vorher getan hat. Um solch eine Person zu bekommen, muss man lediglich einer Sache verbieten zu existieren oder so zu tun, als ob sie es nicht täte. Wenn es jemand findet, werden sie die ersten sein, oder dies zumindest glauben. Da unsere Gesellschaft so tut, als ob die Klitoris nicht existiere, heisst das, dass es Millionen von Menschen, Männer und Frauen, gibt, die EntdeckerInnen der Klitoris sind. Um diesen Entdeckungsprozess zu behinden, machen wir aus der weiblichen Vulva ein Tabu für sie und ihren Partner. Wenn man nicht in den Wald geht, kann man nicht entdecken, was darin liegt.


Wir würden gerne den Ärzten vorwerfen, dass sie nicht mehr Informationen über die Klitoris haben oder zugänglich machen, aber sind sie Schuld daran? Bevor jemand Arzt wird, ist er ein Mitglied einer Gesellschaft und adaptiert die Standards eben dieser. Wenn eine ganze Gesellschaft die Existenz der Klitoris nicht anereknnt, wie kann es dann ein einzelner Arzt. Wenn eine Gesellschaft die Diskussion von Sex nicht erlaubt, kann dann ein Arzt oder eine Ärztin offen ein Sexualorgan diskutieren? Wenn ein Arzt oder eine Ärztin die weibliche Klitoris nicht untersuchen und der Frau keine Fragen darüber stellen kann, wie die Klitoris funktioniert, wie soll er oder sie dann darüber etwas lernen? Wenn ein Arzt riskiert ins Gefängnis zu gehen, da er die Frau "sexuell" berührt, wenn er ihre Klitoris untersucht, würde er es dann überhaupt tun ? Wenn der Großteil der an medizinischen Universitäten verfügbaren Kadaver männlich sind, wieviele Ärzte sind dann imstande die weibliche Anatomie aus erster Hand zu studieren? Selbst wenn ein Arzt ein Experte für weibliche Anatomie werden möchte, gibt es viele gesellschaftliche Barrieren, die ihn davon abhalten.


Im Hinblick auf all diese Tatsachen verlieh der Artikel The Truth About Women (zu deutsch: Die Wahrheit über Frauen), der in der Ausgabe August 1 1998 des Magazins New Scientist erschien, verlieh Dr. Helen O'Connell mehr Ansehen, als ihr eigentlich gebührt. Diese Aussage soll nicht die Wichtigkeit der Informationen, die sie ans Licht brachte mindern, auch wenn sie nicht die erste war. Was dieser Artikel aber zeigt ist, wie wenig die Autorin über ihre eigene Anatomie wusste. Dr. O'Connell gibt zu, dass viele der Informationen, die sie präsentierte, bereits in alten französischen und deutschen Anatomietexten exisitieren. Einige von denen, die auf dieser Website zu finden sind.


In dem medizinischen Fachblatt, in dem Dr. O'Connells Forschungsergebnisse erstmalig veröffentlich wurden, erwähnt sie, wie unvollständig und ungenau die Informationen über die Anatomie der Klitoris in der Mehrzahl der Antamietexte sind; was unglücklicherweise sehr wahr ist. Wenn man Gray's Anatomy, die Bible der Anatomie betrachtet, kann man sehen, dass die Anatomie der Klitoris in den Texten und Illustrationen fast gar nicht angesprochen wird. Das ist mit den meisten Anatomiebüchern so. Die unvollständigen Informationen in Gray's Anatomy sind oft Wort für Wort in späteren Anatomietexten kopiert worden. Über die Zeit wurde nur wenig neues Wissen über die Klitoris gewonnen. Der Grund dafür ist, dass unsere Gesellschaft als Ganzes es als unangebracht und unnötig ansieht, da die Klitoris keinen Zweck erfüllt, nach freudschem Denken.


Was Dr. O'Connell über die Genauigkeit sagt, ist vielleicht nicht hunderprozentig richtig. Die Informationen in all den alten Quellen basieren wahrscheinlich auf der Sektion eines einzelnen weiblichen Körpers. Es war immer schwieriger, weibliche Körper zu beschaffen, als männliche; vorallem jüngere Frauen. Als Ergebnis sind die veröffentlichten Informationen ungenau für die Mehrheit der Frauen, zumindest die Details. Dr. O'Connel fand, dass es viele Unterschiede zwischen den von ihr sezierten Frauen gab. Wenn sie ihre Forschungsergebnisse ausschließlich auf eine einzige davon gestützt hätte, so würden ihre Ergebnisse im Vergleich zu denen anderer, als genauso ungenau gelten.


Was enthüllen oder bestätigen Dr. O'Connells Forschungen über die Anatomie der Klitoris und die umliegenden Strukturen?

  • Die unten gezeigten, resultierenden Fotografien bieten eine außergewöhnliche Aufzeichnung der Anatomie der Klitoris und der umliegenden Strukturen. Hinweisen im Original.Atrikel nach vermute ich, dass die Original-Fotos in Farbe waren.

  • Die schwellfähigen Strukturen sind normalerweise bei Frauen vor den Wechseljahren viel größer. Das heisst, die größe der schwellfähigen Strukturen einer Frau sind teilweise vom Hormonhaushalt bestimmt. Eine Achtzehnjährige hat wahrscheinlich eine größere Klitoris als eine Fünfundsechsizjährige.

  • Die Urethra (Harnröhre) ist an drei Seiten von Schwelgewebe umgeben. Zwischen der Vagina und der Urethra ist kein Schwellgewebe.

  • Es ist vielleicht ungenau, die Schwellkörper als zur Scheidenöffnung gehörend anzusehen, da sie mehr mit der Klitoris und Urethra verbunden sind.

  • Der Körper der Klitoris ist 1 bis 2 cm. (0.39 bis 0.79 in.) breit.

  • Der Körper der Klitoris ist 2 bis 4 cm. (0.79 bis 1.57 in.) lang.

  • Der Körper und die Arme der Klitoris haben ein "knallrosa"-farbenes Gefäßsystem.

  • Der Körper der Klitoris ragt vom Schambein heraus, anstatt anzuliegen, wie es oft gezeigt wird.

  • Die Arme sind 5 bis 9 cm. (1.97 bis 3.54 in.) lang.

  • Die Schwellkörper sind 3 bis 7 cm. (1.18 bis 2.76 in.) lang.

  • Die Schwellkörper haben eine "tiefblaues Gefäßsystem."

  • Sie sahen keinen Beweis für die zuvor berichteten Vestibül (Bartholins-)Drüsen.

  • Der Rückennerv der Klitoris ist mit 2 mm. (0.08 oder 5/64th in.) Druchmesser "bemerkenswert groß". Er ist mit bloßem Auge sichtbar.


Klicken Sie die Bilder an, um sie in voller Größe zu sehen.

Dissection of the Clitoris 1 (170K) Dissection of the Clitoris 2 (161K) Dissection of the Clitoris 3 (223K)

Dissection of the Clitoris 4 (142K) Dissection of the Clitoris 5 (132K) Dissection of the Clitoris 6 (173K)

Dissection of the Clitoris 8 (128K)

Dissection of the Clitoris 7 (275K)

Aus: The Journal of Urology
Vol. 159, 1892-1897, Juni 1998
Copyright 1998, American Urological Association, Inc.
Forscher: Helen E. O'Connel, John M. Hutson, Colin R. Anderson, and Robert J. Plenter

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